Fünf robuste Rebsorten: Alešenkin, Dvietes Zilā, Ļebedevskaja, Varduva und Skaistė
Fünf robuste Rebsorten für kühlere Gärten
Alešenkin, Dvietes Zilā, Ļebedevskaja, Varduva und Skaistė – von sehr früher Reife bis zur Frosthärte von −30 °C
Weintrauben sind längst kein Vorrecht der wärmsten Weinbaugebiete mehr. Dank der Arbeit russischer, lettischer und litauischer Züchter stehen Ihnen heute Sorten zur Verfügung, die auch in Jahren mit kühlem Sommer zuverlässig ausreifen und Winter überstehen, in denen klassische Sorten ohne Winterschutz erfrieren. Die fünf Sorten in diesem Artikel stehen für drei unterschiedliche Antworten auf ein raues Klima: sehr frühe Reife, interspezifische Kreuzung mit amerikanischen Rebenarten und lange Lagerfähigkeit.
Jede Sorte hat ihre Stärken und ihre Grenzen. 'Alešenkin' überzeugt durch Traubengröße und Geschmack, verlangt aber konsequenten Pflanzenschutz gegen Pilzkrankheiten, während nordische Sorten wie 'Dvietes Zilā' und 'Varduva' einen Teil des Tafeltraubenkomforts gegen Pflegeleichtigkeit und außergewöhnliche Frosthärte eintauschen.
|
−30 °C
höchste belegte Frosthärte
|
2 kg
größte Trauben bei 'Alešenkin'
|
22 %
obere Grenze des Zuckergehalts
|
100 Tage
kürzeste Vegetationszeit
|
← Tabelle seitlich wischen →
Alešenkin – ein Klassiker mit sehr früher Reife
Die Sorte 'Alešenkin' (Алешенькин), auch unter den Synonymen 'Alescha', 'Aleschenka' oder 'Nr. 328' bekannt, zählt zu den historisch bedeutendsten weißen Tafeltraubensorten. Sie wurde 1956 von Akademiemitglied Pjotr Jefimowitsch Zechmistrenko an der Versuchsstation Wolgograd gezüchtet, und zwar aus der Kreuzung von 'Madeleine Angevine' mit einem Pollengemisch verschiedener Tafelsorten; einige Quellen nennen 'Muskat Hamburg' als einen der Pollenspender. Benannt wurde sie nach dem Enkel des Züchters. Der Winzer Fjodor Iljitsch Schatilow aus Orenburg verbesserte sie später durch Klonselektion und erhöhte ihre Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen und Trockenheit – dieser Klon wird unter dem Namen 'Alešenkin dar' angebaut.
| Zuckergehalt der Sorte 'Alešenkin' | 19–22 % |
| niedriger Zuckergehalt | hoher Zuckergehalt (besser) |
Die Markierung bezieht sich auf eine Skala von 0–25 % Zucker und zeigt die Mitte des angegebenen Bereichs (20,5 %).
Achtung: Die Krankheitsanfälligkeit ist die Schwachstelle
'Alešenkin' ist keine komplex resistente Sorte und reagiert empfindlich auf Pilzkrankheiten. Ohne regelmäßigen biologischen oder chemischen Fungizidschutz leidet der Ertrag in schlechteren Jahren erheblich. In manchen Jahren tritt zusätzlich Verrieseln auf, also die Bildung kleiner, unterentwickelter Beeren.
Dvietes Zilā – eine Legende des nordischen Weinbaus
'Dvietes Zilā', übersetzt die Blaue aus Dviete, ist die Sorte, die die Vorstellung davon verändert hat, wo Weintrauben wachsen können. Es handelt sich um die erste international anerkannte, außerordentlich frostharte Sorte, die im rauen lettischen Klima überleben und regelmäßig tragen konnte. Gezüchtet wurde sie 1949 von Pauls Sukatnieks im Dorf Dviete durch eine interspezifische Kreuzung der europäischen Art Vitis vinifera mit der amerikanischen Vitis labrusca.
Pauls Sukatnieks (1914–1989) war ein autodidaktischer Gärtner und Züchter, der neben Reben auch Melonen, Tomaten, Apfelbäume und Rosen züchtete. Internationale Bekanntheit erlangte er jedoch als erster Mensch, dem eine wirklich frostharte Rebsorte gelang.
Der Kompromiss liegt in der Beerengröße, die im Vergleich zu modernen Tafelsorten geringer ausfällt, sowie in dem wahrscheinlich spezifischen Aroma, das sich aus dem Vitis-labrusca-Anteil der Abstammung ergibt.
Ļebedevskaja – Trauben für den Weihnachtstisch
Diese späte, universell verwendbare Sorte wird vor allem wegen zweier Eigenschaften geschätzt: der außergewöhnlichen Lagerfähigkeit und des besonderen Honigaromas. Wenn Sie eigene frische Trauben auch in den Wintermonaten genießen möchten, ist 'Ļebedevskaja' die naheliegende Wahl.
Varduva – Robustheit mit Muskataroma
'Varduva' (Synonym Vārduve) stammt aus Litauen von dem Züchter Antanas Gailiūnas und ist in der Liste der nationalen pflanzengenetischen Ressourcen Litauens eingetragen. Die genauen Elternsorten sind nicht bekannt. Die Sorte verbindet außergewöhnliche Frosthärte mit einem sehr guten Gesundheitszustand und einem süßen, ausgeprägt aromatischen Geschmack.
Bei 'Varduva' ist die Ertragsregulierung unverzichtbar
Die einjährigen Triebe reifen sehr gut aus; für den Winter wird ein Schnitt auf 6–8 Augen empfohlen. Bei dem sehr hohen Ertragspotenzial überlastet die Sorte den Stock jedoch leicht, was sich sowohl im Zuckergehalt als auch im Ausreifen des Holzes zeigt. Das Ausdünnen der Trauben und das Entfernen verdichtender Seitentriebe gehören daher zur normalen Pflege. Die Sorte stellt geringe Ansprüche an den Boden, benötigt aber eine leicht saure Reaktion.
Skaistė – dünne Schale unter den nordischen Sorten
'Skaistė', aus dem Litauischen übersetzt die Helle oder die Reine, ist eine weitere Sorte von Antanas Gailiūnas. Seit dem 1. Februar 2024 ist sie unter der Identifikationsnummer AGB06159 offiziell in der Liste der nationalen pflanzengenetischen Ressourcen Litauens eingetragen. Unter den frostharten Sorten zeichnet sie sich durch genau das aus, was diesen sonst fehlt – eine dünne Schale und verhältnismäßig große Beeren.
Die Sorten im Vergleich
| Sorte | Herkunft | Reifezeit | Traubengewicht | Frosthärte | Zuckergehalt |
|---|---|---|---|---|---|
| Alešenkin | Russland, 1956 | 2. Julihälfte – Mitte August | 500–600 g (max. 1,5–2 kg) | −26 °C | 19–22 % |
| Dvietes Zilā | Lettland, 1949 | Mitte September | 350–500 g | −30 °C (auch −35 °C genannt) | nicht angegeben |
| Ļebedevskaja | nicht angegeben | Oktober | 120–150 g | nicht angegeben | nicht angegeben |
| Varduva | Litauen | 2.–3. Septemberdekade | 150–180 g | −23 °C, kurzzeitig bis −30 °C | 18 % |
| Skaistė | Litauen | Mitte bis Ende September | nicht angegeben | −25 °C | nicht angegeben |
← Tabelle seitlich wischen →
Frosthärte im Vergleich
| Dvietes Zilā | −30 °C |
| Varduva (kurzzeitig) | −30 °C |
| Alešenkin | −26 °C |
| Skaistė | −25 °C |
← Seitlich wischen →
Die Balken beziehen sich auf −30 °C als Maximum der Skala. Bei 'Varduva' ist der kurzzeitig ertragene Wert dargestellt; die dauerhafte Frosthärte wird mit −23 °C angegeben. Für 'Ļebedevskaja' nennen die Quellen keinen genauen Wert, weshalb sie im Vergleich fehlt.
Welche Sorte für welchen Standort
Am pflegeleichtesten: 'Dvietes Zilā' und 'Varduva'. Beide überstehen Fröste bis −30 °C, brauchen keinen aufwendigen Winterschutz und sind von Natur aus gesund. Geeignet auch für exponierte, ungeschützte Standorte und für das Drahtgerüst im Freien.
Brauchen eine wärmere Lage: 'Skaistė' und 'Ļebedevskaja'. Beide reifen spät und benötigen deshalb einen Platz, der die Vegetationszeit verlängert – am besten eine geschützte Südwand. Bei kaltem und regnerischem Herbst verschiebt sich die Ernte.
Braucht regelmäßigen Pflanzenschutz: 'Alešenkin'. Der beste Geschmack und die größten Trauben dieser Gruppe, doch ohne Fungizidschutz und ohne konsequente Ertragsregulierung liefert die Sorte nicht das, was Sie von ihr erwarten.
Fazit
Wenn Sie auch in einem kühlen Jahr sicher ernten und sich nicht mit Winterschutz beschäftigen möchten, greifen Sie zu den lettischen oder litauischen Klassikern. Reizen Sie dagegen große Trauben und voller Tafeltraubengeschmack, bleibt 'Alešenkin' schwer zu übertreffen – rechnen Sie nur damit, dass Fungizidschutz und das Ausdünnen der Trauben in jeder Saison dazugehören. Die Kombination mehrerer Sorten mit unterschiedlicher Reifezeit verlängert die Ernte zudem von der zweiten Julihälfte bis in den Oktober und mit 'Ļebedevskaja' im Keller sogar bis in den Januar.
|
Robuste Rebsorten aus unserem Shop
Frostharte nordische Sorten und süße Tafeltrauben-Klassiker – wählen Sie eine Rebe, die bei Ihnen zuverlässig ausreift und Sie schon im zweiten Jahr nach der Pflanzung mit Ertrag belohnt. Rebsorten ansehen |
Werden Sie Teil unserer Gemeinschaft
Tauschen Sie Anbauerfahrungen aus, stellen Sie Fragen zu Sorten und zeigen Sie Ihre Ernte auf unserer Facebook-Seite voller begeisterter Obstgärtner, diskutieren Sie mit Fachleuten und erhalten Sie neue Artikel als Erste. Zur Facebook-Seite |